|
AutorenFrank Roselieb / Hannah Johannsen Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389): Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher |

|
von Frank Roselieb und Hannah Johannsen
Krisenstäbe sind nach den Ergebnissen der jährlichen Krisenpräventionsumfragen das meist genutzte Instrument zur Krisenbewältigung. Ähnliches gilt laut der Katastrophenschutzumfrage 2024 für die Katastrophenstäbe im öffentlichen Bereich. Auch zahlreiche Normen, Standards und Dienstvorschriften fordern die Einberufung von Stäben im Krisen- und Katastrophenfall – beispielsweise die DIN EN ISO 22361 zum Krisenmanagement, der BSI-Standard 200-4 zum Business Continuity Management, die Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 100 und die Hinweise der Innenministerkonferenz zur Bildung von Verwaltungsstäben (VwS).
Wie sollte die Arbeit in Krisen- und Katastrophenstäben gestaltet werden? Auf welche Probleme trifft die Krisenstabsorganisation in der Praxis und welche Lösungswege haben sich bewährt? Inwieweit unterscheiden sich die Stäbe in Behörden von denen in Wirtschaftsunternehmen und Verbänden? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die zweiteilige Reihe "Wunsch und Wirklichkeit der Stabsarbeit in Unternehmen, Behörden und Verbänden". Der erste Teil der Reihe widmet sich den Grundsätzen "guter" Krisen- und Katastrophenstabsarbeit. Im zweiten Teil werden die Ergebnisse der Krisen- und Katastrophenstabsumfrage 2025 präsentiert.
Für den hier vorliegenden ersten Teil hat das Krisennavigator – Institut für Krisenforschung, ein Spin-Off der Universität Kiel, gemeinsam mit den Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Krisenmanagement e.V. (DGfKM), dem Berufsverband der Krisenmanager, einen Standard entwickelt. Er soll Krisen- und Katastrophenmanagern in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Verbänden eine niedrigschwellige Orientierungshilfe zur Stabsarbeit bereitstellen. Rechtliche Aspekte werden ausdrücklich nicht erörtert. Ergänzend geben drei Fallbeispiele Einblicke in die Krisenstabsarbeit in einem Wirtschaftsunternehmen (Fressnapf Holding SE), einer Behörde (Stadt Bochum) und einem Verein (SOS-Kinderdorf e.V.).
Laut dem Standard ist die Stabsarbeit sowohl durch situative Aspekte – wie großem Entscheidungsdruck bei gleichzeitiger Informationsarmut – gekennzeichnet, als auch durch strukturelle Aspekte – beispielsweise eine starke Vernetzung und hohe Internationalität der Organisationen. Hinzukommen personelle Aspekte wie beispielsweise ein teilweise problematisches Gruppendenken oder dominante Alpha-Tiere. Der Standard empfiehlt daher u.a. einen situativ-flexiblen Führungsstil. Hierbei führt der Stabsleiter zwar zielorientiert mit klarem Auftrag, handhabt aber die Rollen und Aufgaben im Stab flexibel, um die individuellen Stärken und Fähigkeiten der Stabsmitglieder bestmöglich nutzen zu können.
Trotz der Einrichtung von Stäben verbleibt die Gesamtverantwortung für die Krisen- und Katastrophenbewältigung weiterhin bei der Unternehmens- bzw. Behördenleitung. Diese muss – so der Standard – einen klaren Leitungsauftrag formulieren und eine Stabsordnung mit den wichtigsten Regeln der Stabsarbeit erlassen. Erfolgsentscheidend für die Stabsarbeit ist insbesondere die Schaffung und Erhaltung eines gemeinsamen Lagebewusstseins, um "vor die Lage" zu kommen. Wichtig sind hierfür u.a. die Visualisierung der Lage und die Modellierung der Auswirkungen von Entscheidungen – beispielsweise mittels Künstlicher Intelligenz.
Ausführliche Informationen zum neuen Standard und zu den drei Fallbeispielen sind in folgendem Arbeitspapier enthalten. Dieses wird auch im Heft 02/2026 der Zeitschrift "KSI" veröffentlicht.
![]() | Frank Roselieb / Hannah Johannsen, Wunsch und Wirklichkeit der Stabsarbeit in Unternehmen, Behörden und Verbänden – Teil 1 von 2: Grundsätze und Fallbeispiele der Krisen- und Katastrophenstabsarbeit, Arbeitspapier Krisennavigator (ISSN 1610-1855), Kiel, 2026, 15 Seiten. | Bestellen | |
Frank Roselieb / Hannah Johannsen
Krisennavigator - Institut für Krisenforschung
Ein Spin-Off der Universität Kiel
Schauenburgerstraße 116
D-24118 Kiel
Telefon: +49 (0)431 907 - 26 10
Telefax: +49 (0)431 907 - 26 11
Internet: www.krisennavigator.de
E-Mail: roselieb@krisennavigator.de
Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
29. Jahrgang (2026), Ausgabe 1 (Januar)

|
Deutsch
/ English
Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 14. Januar 2026 © Krisennavigator, Kiel / Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
Internet: www.krisennavigator.de
|